Was Texterkennung bei uns bisher war
Immer wenn Sie einen Scan oder ein Foto eines Dokuments hochladen — einen eingescannten Vertrag, ein fotografiertes Anwaltsschreiben, eine handschriftliche Notiz auf einem Formular —, muss die Plattform den Bildinhalt zuerst in echten, durchsuchbaren Text verwandeln, bevor überhaupt eine KI-Analyse beginnen kann. Bislang übernahm das ein allgemeines KI-Chat-Modell mit dem schlichten Auftrag „schreibe das Bild wortgetreu ab". Das funktioniert im Alltag überraschend gut — ist aber technisch etwas anderes als ein Produkt, das eigens für Texterkennung trainiert wurde.
Der Unterschied: ein Werkzeug statt eines Umwegs
Wir stellen jetzt, schrittweise, einen direkten Zugang zu einem dedizierten OCR-Modell bereit — einem Produkt, dessen einzige Aufgabe die Texterkennung ist, nicht das Führen eines Gesprächs. Das klingt nach einer kleinen technischen Feinheit, hat aber zwei handfeste Konsequenzen.
Erstens: kein Übersetzungs-Risiko mehr, und zwar strukturell. Ein Chat-Modell versteht einen Auftrag wie „schreibe ab" im Kontext eines Gesprächs — ein Sprachmodell, das ein fremdsprachiges Dokument sieht, kann eine Anweisung im Zweifel als Übersetzungswunsch statt als Abschreib-Auftrag missverstehen. Ein dediziertes OCR-Modell kennt so eine Anweisung gar nicht erst — es gibt keinen „Chat", den es fehlinterpretieren könnte, nur Text, der aus einem Bild extrahiert wird.
Zweitens: Zuverlässigkeit, die wir vor dem Rollout selbst geprüft haben. Wir haben den neuen Weg vor der Freischaltung mit einem Testdokument voller französischer und deutscher Sonderzeichen (é, à, ç, ê, œ sowie ä, ö, ü, ß) durchlaufen lassen. Jedes einzelne Zeichen kam exakt richtig zurück — keine Kodierungsfehler, keine stillen Ersetzungen.
Handschrift: besser, aber nicht „gelöst"
Hier wird es ehrlich interessant, weil ein häufiger Anwendungsfall bei uns genau dieser ist: eine handschriftliche Notiz auf einem sonst gedruckten Formular, ein handschriftliches Testament, eine handschriftliche Ergänzung auf einem Vertrag. Der Modellanbieter selbst bezeichnet dieses neue Modell als sein bislang bestes Ergebnis bei Handschrift. Das wollen wir Ihnen nicht vorenthalten — aber auch nicht überverkaufen.
Unabhängige Vergleichstests der Branche zeigen ein konsistentes Bild: Handschrifterkennung ist über praktisch alle Anbieter hinweg spürbar schwieriger als gedruckter Text, und es gibt am Markt spezialisierte Angebote, die bei reiner Handschrift noch bessere Werte erzielen als ein allgemeines OCR-Produkt. Was das für Sie bedeutet: Ein handschriftlicher Vermerk wird jetzt zuverlässiger erkannt als zuvor — aber ein Dokument, bei dem eine handschriftliche Passage rechtlich entscheidend ist (etwa die handschriftliche Zeile unter einem Testament oder eine handschriftliche Vertragsergänzung), sollten Sie weiterhin am Original prüfen, bevor Sie sich allein auf die KI-Abschrift verlassen.
Wo das ankommt
Der neue Weg wirkt überall dort, wo bislang schon Texterkennung lief: bei Uploads im Mandantenportal, bei eingescannten Akten im Anwaltsportal und bei Dokumenten, die Sie als Verbraucher:in direkt hochladen — auch im anonymen Schnell-Check auf der Startseite. Betroffen sind nur Bilder und Scans ohne eigene Textebene; ein normales, digital erzeugtes PDF wird ohnehin direkt gelesen, ganz ohne Texterkennung.
Wer dafür zahlt
Bei Anwaltskanzleien fließt der OCR-Aufwand in dasselbe KI-Kontingent, das auch für jede andere Analyse gilt — als reguläre Abbuchung, ohne gesonderte Abrechnung. Bei privaten und geschäftlichen Nutzer:innen bleibt es wie bisher: Die Texterkennung ist Teil der jeweiligen Analyse-Aktion und deren fest angezeigtem Preis, kein zusätzlicher Kostenpunkt.
Schrittweise, nicht auf einen Schlag
Wir schalten diesen Weg absichtlich nicht für alle gleichzeitig frei, sondern beobachten ihn zunächst im laufenden Betrieb. Und weil dabei Dokumentinhalte zusätzlich an einen weiteren externen Dienstleister übermittelt werden, ist dieser Anbieter in unserem Sub-Prozessoren-Verzeichnis aufgeführt — Transparenz darüber, wer Ihre Daten wofür sieht, ist für uns keine Kür.
Aus derselben Arbeit: der Beziehungsgraph jetzt auch für Sie als Verbraucher:in
Im selben Arbeitsschritt haben wir eine zweite, unabhängige Neuerung ausgerollt: den Beziehungsgraphen, der zeigt, wie von der KI erkannte Angaben in einer Akte zusammenhängen — inklusive erkannter Widersprüche zwischen zwei Dokumenten —, gibt es jetzt nicht mehr nur im Anwaltsportal, sondern auch für Sie als Verbraucher:in. Öffnen Sie eine Akte, finden Sie dort ab sofort dieselbe Zusammenhänge-Ansicht, wahlweise als durchsuchbare Liste oder als visuelles Netz.
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